100 Jahre Finnentrop
So einfach war es übrigens nicht, dass dieser Ort zu diesem Namen kam. Geht man zurück in der Geschichte der heutigen Ortschaft Finnentrop, dann spielen 5 Ortsnamen eine Rolle: Finnentrop, Altfinnentrop, Habbecke, Neubrücke und Ohl. Doch nun im einzelnen:
Bis zum Bau der Brücke über die Lenne 1837 gab es Habbecke im Norden der heutigen Ortschaft und Ohl im Süden. Hinzu kam das jenseits der Lenne und der Grenze zwischen den Kreisen Meschede und Olpe im Mündungsdreieck zwischen Bigge und Lenne gelegene Finnentrop, das heutige „Altfinnentrop“. Durch den Bau der Brücke bürgerte sich für Ohl die Bezeichnung „Neubrücke“ ein, erstmals 1847 in Kirchenbüchern erwähnt und am 18. November 1861 amtlich eingeführt.
Das Durcheinander begann mit dem Bahnbau. Das Lager der Bauarbeiter befand sich jenseits der Lenne beim heutigen Altfinnentrop und daher bekam auch der nahe gelegene Bahnhof nach der Eröffnung der Ruhr-Sieg-Strecke am 5. August 1861 seinen Namen „Bahnhof Finnentrop“. Der damalige Amtmann Kayser setzte sich am 16. September 1861 in einem Schreiben an die Eisenbahn-Direction zu Elberfeld gegen diese Namensgebung zur Wehr:
„Die Benennung des Bahnhofs „Finnentrop“ zwischen Grevenbrück und Euringhausen (Eiringhausen) ist falsch und hat nicht allein für Reisende oder bei Gütersendungen unangenehme Differenzen hervorgerufen, sondern zu allgemeinen Beschwerden geführt. Finnentrop liegt jenseits der Lenne im Kreise Olpe, der Bahnhof dagegen in der Gemarkung Flur Habbecke an der neuen Brücke diesseits der Lenne, ihm konnte daher unter allen Umständen die Benennung „Finnentrop“ niemals zugedacht werden, zumal die dort befindliche Barriere zum Orte Habbecke gehört unter der früheren Bezeichnung Ohl und seit Entstehung des dortigen Eisenwerks „Neubrücke“ sämmtliche Anlagen, darunter auch die Sieg Ruhrbahn auf dem Besitzthum der Ortsbewohner Habbecke hergerichtet sind.“
Der Landrat des Kreises Meschede bestimmte in einem Schreiben vom 18.November:
„Auf den Wunsch der Eisenbahn-Direction zu Elberfeld die vorgedachte neue Ansiedelung (Neubrücke) mit dem Namen Finnentrop zu belegen, kann nicht eingegangen werden, indem eine solche Benennung mit Rücksicht darauf, daß die Ortschaft Finnentrop am Biggefluß jenseits der Lenne im Kreise Olpe, das neue Etablissement beziehungsweise der neu errichtete Bahnhof aber diesseits der Lenne in der Gemarkung Flur Habbecke im Kreise Meschede liegt, zu vielen unangenehmen Differenzen resp[ektive] Verwechselungen führen würde, und wollen Sie solches der Eisenbahn-Direction mittheilen.“
Es war eine damals durchaus geläufige Praxis, eine Station nicht nach der nächstgelegenen Ansiedlung zu nennen, sondern nach der nächsten größeren Ortschaft, und das war nun einmal das jenseits der Kreisgrenze gelegene Finnentrop.
So gab es ab 1861 für die entlang der damaligen Provinzialstraße verteilten Häuser auf engstem Gebiet drei Ortsnamen: im Norden Habbecke, im Süden Neubrücke und dazwischen Bahnhof Finnentrop, daneben aber noch jenes Finnentrop jenseits der Lenne. Die Benennung „Bahnhof Finnentrop“ stieß auf dieser Seite der Lenne allerdings auf wenig Gegenliebe. Den Akten ist zu entnehmen, dass der Amtmann 1869 und 1878 erneut Versuche unternahm, eine Namensänderung des Bahnhofs beim Landrat zu erwirken.
Fast ein halbes Jahrhundert später scheint sich die Ansicht grundlegend geändert zu haben. Am 21. Juli 1907 beschloss die Gemeindevertretung Schönholthausen, den Antrag auf Änderung der Ortsnamen Habbecke-Neubrücke in Finnentrop zu stellen. Am 13. Juli 1908 ordnete der Regierungspräsident die Namensänderung an. Die Verfügung wurde am 24. Juli 1908 im Amtsblatt es Regierungspräsidenten unter der laufenden Nummer 826 veröffentlicht.
Nun war auf der anderen Seite der Lenne die Aufregung groß. Die Gemeindevertretung Helden beschloss am 7. September 1908, den Regierungspräsidenten zu bitten, Finnentrop, d.h. dem heutigen Altfinnentrop seinen Namen zu belassen. So kam auch der Vorschlag auf, die im Kreis Meschede liegende Ortschaft „Neu-Finnentrop“ zu nennen.
So ändern sich die Zeiten! Die Gebietsreformen in den Jahren 1969 und 1975 haben die Kreis- und Gemeindegrenze, die bei den Auseinandersetzungen eine Rolle gespielt hat, beseitigt und so für die Vereinigung der verschiedenen Ortschaften mit dem Namen „Finnentrop“ in einer Gemeinde gesorgt.
Die z.Zt. eingeleitete Sanierung der Tallage Finnentrops soll u.a. dazu beitragen, dem Ort Finnentrop wieder etwas von der Bedeutung zu geben, die der Ort in der Vergangenheit hatte.
