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13.03.2020

Zu Besuch im Archiv der Gemeinde Finnentrop

Seinen persönlichen Traumjob hat der 24-jährige Plettenberger Yannick Brücher als Archivar der Gemeinde Finnentrop gefunden. Im Gespräch mit dem SauerlandKurier erzählt er von seinem Arbeitsalltag sowie seiner Faszination für die regionale Geschichte.

Entgegen des Vorurteils, Archivare seien alte, einfältige Tattergreise, die nicht aus ihrem Magazin – dem Lagerraum von Archivgut – herauskommen, „thront“ der 24 Jahre junge Yannick Brücher in seinem Büro im dritten Stock des Rathauses mit Blick über den Zentralort der Gemeinde. „Solch ein Büro ist doch schon schöner, als permanent unten im Keller zu sitzen“, lacht der Plettenberger.

Dass er eines Tages Archivar sein würde, hat Brücher selbst nicht für möglich gehalten. „Ich habe ohne ein bestimmtes Ziel Geschichte studiert. Ich wollte einfach etwas machen, wofür ich mich interessiere und was ich gut kann“, erklärt er, „jetzt ist Archivar mein persönlicher Traumjob.“

Den Grundstein für seine Tätigkeit setzte er am Städtischen Albert-Schweitzer-Gymnasium Plettenberg. Anschließend folgte von 2015 bis 2019 das Geschichtsstudium an der Universität Siegen mit dem Ergänzungsfach „Europa im globalen Wandel“. Während seines Studiums musste er dann zwei vierwöchige Praktika absolvieren und stellte sich beim „Kreisarchiv und landeskundliche Bibliothek des Märkischen Kreises“ in Altena vor. Über seine Praktika hinaus arbeitete er dort von Juni 2018 bis Juni 2019 als Honorarkraft, ehe es ihn im Juli 2019 nach Finnentrop zog. „Ich habe mich hier initiativ beworben und wurde sofort als Vollzeitkraft eingestellt“, freut sich Brücher über die positive Resonanz.

Und so wälzt sich der 24-Jährige nun durch die regionale Geschichte von Finnentrop, nimmt Verwaltungsgut ins Archiv auf und erschließt Archivgut für die nächsten hundert Jahre. Im Gespräch erklärt er, dass sein Job jedoch alles andere als monoton sei. „Klar gibt es Tage, da kümmere ich mich nur um die Verwaltung, erschließe Altbestände aus dem Magazin und trage sie mit ihrer Nummer ins Findbuch ein oder erledige Aufträge von Kollegen aus der Verwaltung. Aber es gibt auch häufig Anfragen von außerhalb, wenn beispielsweise Besuch kommt oder telefonische Anfragen gestellt werden.“ So nahmen alleine im letzten Monat mehr als 40 Leute die Hilfe des Archivars in Anspruch und statteten ihm einen Besuch ab.

Gemeinsames Geschichtsprojekt

Gemeinsam mit der Bigge-Lenne Gesamtschule und Lehrer Christoph Gunter-Seretny setzt Yannick Brücher aktuell ein Geschichtsprojekt um, bei dem Schüler der neunten Klasse zweimal in der Woche vorbei kommen und über das Thema „Erster Weltkrieg in Finnentrop“ Nachforschungen betreiben. „Die gewonnenen Erkenntnisse sollen im Nachhinein in Form von Plakaten und Texten in einer Ausstellung in der Schule, im Rathaus und bei der Sparkasse präsentiert werden.“

Allen Geschichtsinteressierten und Nachwuchshistorikern rät der 24-Jährige, viele Praktika zu machen, „um herauszufinden, ob diese Art der Arbeit etwas für sie ist. Man muss schon mit Leidenschaft hinter diesem Job stehen und Interesse an der Verwaltung haben.“

Gleichzeitig habe der Beruf des Archivars aber gute Zukunftsperspektiven. „In den nächsten Jahren werden viele Stellen frei, da viele Kollegen in den Ruhestand gehen. Zudem ist jede Gemeinde oder Stadt gesetzlich dazu verpflichtet, ein Archiv zu besetzen. Zuletzt steht uns ein neues und spannendes Aufgabengebiet bevor: Die Umstellung in den Verwaltungen auf E-Akten beziehungsweise ein digitales Büro“, wirbt Brücher für seinen Traumjob.

Doch nicht nur für die Arbeit als Archivar wirbt der Plettenberger. Er möchte auch die Gemeindemitglieder ermuntern, dem Archiv mehr Privatgut und Vereinsgut zur Verfügung zu stellen. „Im Magazin haben wir hauptsächlich Archivgut aus der eigenen Verwaltung. Wir finden aber auch alte Fotoalben oder Postkarten wahnsinnig interessant, da sie das zeitgenössische Leben vor fünfzig oder hundert Jahren zeigen. Wer glaubt, einen solchen Schatz zu haben, kann sich gerne bei mir melden und so seinen Teil zur Ortsgeschichte beitragen“, erklärt der 24-jährige Historiker mit Feuereifer.

Text und Foto: Mario Wurm

Kontakt

Yannick Brücher
Interne Dienste, Geschäftsstelle Rat und Öffentlichkeitsarbeit
Archivar
Am Markt 1
57413 Finnentrop
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Telefon: 02721/512-163
Fax: 02721/5129-163
Raum: 314
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