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Starkregen in Finnentrop
Starkregenereignisse treten auch in unserer Region immer häufiger und intensiver auf. Sie können Straßen, Grundstücke, Gebäude und die öffentliche Infrastruktur innerhalb kurzer Zeit stark belasten.
Die Gemeinde Finnentrop beschäftigt sich deshalb aktiv mit Starkregenrisikomanagement, Überflutungsschutz und Klimafolgenanpassung. Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu möglichen Gefahren, zu Vorsorgemaßnahmen für Ihr Zuhause, zu Warnsystemen sowie zu Maßnahmen der Gemeinde.
Private Vorsorge bleibt dabei ein wichtiger Baustein. Wer Risiken frühzeitig erkennt und geeignete Schutzmaßnahmen trifft, kann Schäden im Ernstfall oft deutlich verringern.
Was ist Starkregen?
Starkregen ist ein Wetterereignis, bei dem innerhalb kurzer Zeit sehr große Regenmengen fallen. Solche Niederschläge treten oft lokal begrenzt auf und können innerhalb weniger Minuten zu Überflutungen führen.
Definition und Charakteristik:
Starkregen bezeichnet ein Wetterereignis, bei dem innerhalb kurzer Zeit außergewöhnlich große Niederschlagsmengen fallen. Typisch sind eine sehr hohe Intensität, eine meist kurze Dauer sowie eine räumlich begrenzte Ausdehnung.
Entstehung:
Die Entstehung von Starkregen ist vielfältig und häufig mit Kaltfronten, Gewitterzellen oder lokalen Konvektionsprozessen verbunden. Bei Konvektion erwärmt die Sonneneinstrahlung den Boden, sodass warme Luft aufsteigt und dabei Feuchtigkeit aufnimmt. In höheren, kälteren Luftschichten kühlt sie ab, die Feuchtigkeit kondensiert zu Wolken und kann schließlich als intensiver Regen niedergehen. Besonders in den Sommermonaten führen warme, feuchte Luftmassen oft zu großräumiger Quellwolkenbildung, deren plötzliche Kondensation lokal begrenzte, unwetterartige Niederschläge auslösen kann.
Klassifizierung:
Zur Einordnung von Starkregenereignissen nutzt der Deutsche Wetterdienst (DWD) festgelegte Warnstufen. Ergänzend hilft der Starkregenindex (SRI), die Intensität von Starkregen besser zu bewerten.
Deutscher Wetterdienst (DWD) Warnstufen:
- Starkregen: 15 bis 25 Liter pro Quadratmeter in 1 Stunde oder 20 bis 35 Liter pro Quadratmeter in 6 Stunden.
- Heftiger Starkregen: 25 bis 40 Liter pro Quadratmeter in 1 Stunde oder 35 bis 60 Liter pro Quadratmeter in 6 Stunden.
- Extrem heftiger Starkregen: Mehr als 40 Liter pro Quadratmeter in 1 Stunde oder mehr als 60 Liter pro Quadratmeter in 6 Stunden.
Starkregenindex (SRI):
Der SRI ordnet die Intensität auf einer Skala von 1 bis 12 ein. Bereits bei niedrigen Stufen wie 1 oder 2 kann es zu Problemen kommen, beispielsweise wenn Abwasser aus dem öffentlichen Kanalnetz auf die Straße oder sogar in Keller eintritt, sofern keine funktionierende Rückstausicherung vorhanden ist.
Welche Gefahren gibt es durch Starkregen?
Starkregen kann weitreichende und ernsthafte Schäden verursachen, die sowohl Sachwerte als auch die Sicherheit von Menschen betreffen. Durch die plötzlich auftretenden Wassermassen kann es zu Überflutungen von Straßen, Gebäuden und wichtigen Infrastruktureinrichtungen kommen.
Die Auswirkungen von Starkregen können je nach Lage und Intensität sehr unterschiedlich sein. Typische Gefahren sind unter anderem Überflutungen, Rückstau, schnelle Oberflächenabflüsse und Risiken in bereits überfluteten Bereichen.
Grenzen der öffentlichen Entwässerung:
Öffentliche Entwässerungssysteme sind in der Regel nicht für extrem hohe Niederschlagsmengen ausgelegt. Wenn Kanäle überlaufen, fließt das Wasser über Straßen und Freiflächen ab oder dringt direkt in Gebäude ein. Ein vollständiger Ausbau des Kanalnetzes für jedes denkbare Extremereignis ist weder wirtschaftlich noch technisch realisierbar.
Typische Gefahren:
- Urbane Sturzfluten: Lokal begrenzte, extrem intensive Regenereignisse. Das Wasser kann nicht schnell genug an der Oberfläche abfließen oder versickern, was zu Sturzfluten im Stadtgebiet führt.
- Hochwasser aus Gewässern: Zeitlich begrenzte Überflutungen von Flächen, die normalerweise nicht von Bächen oder Flüssen bedeckt sind.
- Umweltschäden: Starkregen kann Böden abtragen (Erosion), Material fortspülen und das Risiko für Erdrutsche erhöhen.
- Gefahr in überfluteten Bereichen: In Kellern oder Tiefgaragen besteht Lebensgefahr durch Stromschläge, wenn elektrische Anlagen mit Wasser in Kontakt kommen. Zudem entstehen Gefahren durch verdeckte Hindernisse, Strömungen oder hochgedrückte Schachtabdeckungen.
Bin ich betroffen?
Grundsätzlich kann jedes Grundstück von Starkregen betroffen sein. Das individuelle Risiko hängt jedoch stark von der Lage, den örtlichen Gegebenheiten und den vorhandenen Schutzmaßnahmen ab.
Erhöhtes Risiko besteht typischerweise in folgenden Gebieten oder für bestimmte Objekttypen:
- In der Nähe von Fließgewässern: Grundstücke an kleinen oder ehemaligen Bächen und Flüssen sind besonders anfällig.
- In Geländesenken: Hier sammelt sich das abfließende Wasser naturgemäß.
- In Hanglagen: Schnell abfließendes Oberflächenwasser kann in großen Mengen eine Gefahr darstellen.
- In dicht bebauten Stadtteilen: Ein hoher Versiegelungsgrad verhindert das Versickern des Wassers und leitet es in die Kanalisation oder über die Oberfläche ab.
- Tiefliegende Räume: Keller, Souterrainwohnungen, Tiefgaragen, Unterführungen und Tunnel sind besonders gefährdet, da Wasser leicht oberflächlich eindringen kann.
- Objekte ohne ausgeprägte Bordsteinkanten: Hier kann wild abfließendes Oberflächenwasser direkt in Gebäude eindringen.
- Räume ohne Rückstausicherung: In tiefliegenden Gebäudeteilen kann Abwasser aus dem Kanalnetz zurückdrücken.
Weitere Faktoren:
Auch die Bodenbeschaffenheit spielt eine Rolle. Ausgetrocknete Böden im Sommer oder bereits gesättigte Böden nach langanhaltenden Niederschlägen können Oberflächenwasser nur schlecht aufnehmen. Darüber hinaus können verstopfte Straßeneinläufe oder Mängel an der Grundstücksentwässerung dazu führen, dass das Wasser sich neue Wege sucht.
Risikoeinschätzung durch Karten:
Um das individuelle Risiko besser einschätzen zu können, dienen Starkregengefahrenkarten als wichtiges Instrument der Klimaanpassung. Für Nordrhein-Westfalen stehen interaktive Webkarten mit Gefahrenhinweisen zur Verfügung.
Diese und weitere hilfreiche Informationen und Leitfäden von Bundesinstituten finden Sie unter "Weitere Informationen".
Wie schütze ich mein Zuhause?
Der Schutz vor Starkregen ist eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der die Eigenverantwortung jedes Grundstückseigentümers von entscheidender Bedeutung ist. Das Wasserhaushaltsgesetz verpflichtet jeden, im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren Vorsorgemaßnahmen zu treffen, um sich vor negativen Folgen von Hochwasser und Überflutungen zu schützen.
Rückstauschutz ist Pflicht:
Laut Abwasserbeseitigungssatzung sind Grundstückseigentümer verpflichtet, sich gegen Rückstau von Abwasser aus dem öffentlichen Kanal zu schützen. Dafür müssen funktionstüchtige und geeignete Rückstausicherungen in Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene eingebaut werden.
Rückstausicherungen müssen jederzeit zugänglich sein und regelmäßig gewartet werden. Ein Wartungsprotokoll ist empfehlenswert, da Versicherungen bei fehlender oder mangelhafter Wartung Schäden unter Umständen nicht übernehmen.
Idealerweise werden Entwässerungseinrichtungen wie Toiletten, Waschbecken und Duschen oberhalb der Rückstauebene installiert. Ist dies nicht möglich, können Rückstauverschlüsse oder Hebeanlagen eine Lösung sein.
Bauliche Schutzmaßnahmen (Objektschutz):
Tiefliegende Gebäudeöffnungen wie Kellerfenster, Kellertreppen, Lichtschächte und Erdgeschosseingänge können durch Erdwälle, Sockelmauern, druckdichte Fenster und Türen oder durch Klappschotts geschützt werden.
Sandsäcke oder Dammbalkensysteme können als temporärer Schutz dienen. Bei dauerhaften Lösungen sollten jedoch fest installierte, idealerweise vollautomatische Schutzelemente bevorzugt werden, da bei Starkregen kaum Vorwarnzeit bleibt.
Wasserdichte Auf- oder Einsatzelemente für Lichtschächte sind ebenfalls eine wirksame Maßnahme.
Flächenvorsorge auf dem Grundstück:
Dach- und Fassadenbegrünungen sowie die Entsiegelung von asphaltierten oder gepflasterten Flächen helfen, die Abflussmengen bei Starkregen zu reduzieren.
Auch Mulden- oder Rigolenversickerungen können dazu beitragen, Wasser auf dem Grundstück zu versickern, zu verdunsten oder zurückzuhalten.
Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen:
Wertgegenstände sollten möglichst in oberen Stockwerken gelagert werden. Regen- und Abflussrinnen sowie Gullys auf dem Grundstück sollten regelmäßig freigehalten werden.
Bei drohender Überflutung sollten elektronische Geräte ausgeschaltet und die Stecker gezogen werden, um Stromschläge zu vermeiden. Den Versicherungsschutz für Elementarschäden sollte man ebenfalls prüfen
Weitere Informationen:
Für weiterführende Informationen zur Objektschutzvorsorge und zu baulichen Maßnahmen verweisen wir auf die Angebote der Verbraucherzentrale NRW. Dort gibt es unter anderem Informationsmaterialien, Webangebote, Vorträge, Online-Seminare, persönliche Beratungen und Bildungsprogramme.
Hilfreiche Leitfäden von Bundesinstituten finden Sie zudem unter "Weitere Informationen".
Was unternimmt die Gemeinde?
Die Gemeinde Finnentrop engagiert sich aktiv im Überflutungsschutz und in der Klimafolgenanpassung. Ziel ist es, die Risiken durch Starkregen und Hochwasser schrittweise zu verringern und die Widerstandsfähigkeit im Gemeindegebiet nachhaltig zu stärken.
Engagement und Netzwerkarbeit:
Seit 2024 ist die Gemeinde Finnentrop Mitglied im „Netzwerk Überflutungsschutz und Klimafolgenanpassung“. Die Teilnahme eröffnet Zugang zu fachlicher Unterstützung, Förderberatung, Fortbildungen sowie zum Austausch mit Expertinnen, Experten und anderen Kommunen.
Strategisches Starkregenrisikomanagement:
Die Gemeinde Finnentrop verfolgt beim Umgang mit Starkregen einen strategischen und langfristigen Ansatz. Ziel ist es, Überflutungsrisiken systematisch zu erfassen, zu bewerten und durch geeignete Maßnahmen Schritt für Schritt zu verringern. Starkregenrisikomanagement ist dabei eine dauerhafte kommunale Aufgabe, die technische, planerische und organisatorische Maßnahmen miteinander verbindet.
- Qualifizierte Bewertung der Gefahrenlage
Im Mittelpunkt steht die qualifizierte Bewertung der starkregenbedingten Überflutungsgefahren. Zunächst werden im Rahmen einer hydraulischen Gefährdungsanalyse die möglichen Strömungsverhältnisse und Überflutungstiefen modellbasiert ermittelt. Auf dieser Grundlage entstehen Starkregengefahrenkarten, die zeigen, wo sich bei Starkregen Wasser sammeln, oberflächlich abfließen oder in Siedlungsbereiche eindringen kann. Für einige Ortsteile liegen bereits entsprechende Karten vor.
Darauf aufbauend wird eine Risikoanalyse durchgeführt. Dabei werden die Gefahrenkarten ausgewertet, um besonders betroffene Objekte und Siedlungsbereiche zu identifizieren und das jeweilige Risiko besser einzuordnen. Im nächsten Schritt wird ein Handlungskonzept entwickelt, das konkrete Maßnahmen in den Bereichen Informationsvorsorge, Flächenvorsorge, Krisenmanagement und bauliche Maßnahmen zusammenführt.
Ein Förderantrag für dieses Vorhaben liegt der Bezirksregierung Arnsberg bereits zur Genehmigung vor.
- Detaillierte Grundlagen
Für Teilbereiche des Einzugsgebiets des Fretterbachs wurde bereits eine detaillierte Starkregengefahrenkarte erstellt. Aus dieser Karte wurde ein Maßnahmenkatalog abgeleitet, der als wichtige Grundlage für weitere Planungen und Umsetzungen dient. Damit liegt für besonders relevante Bereiche bereits eine fundierte fachliche Basis vor, auf der weitere Schritte aufbauen können.
Umgesetzte Maßnahmen
In den vergangenen Jahren wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um die Widerstandsfähigkeit der Gemeinde gegen Starkregen und Hochwasser zu erhöhen. Dazu zählen unter anderem der Bau von Versickerungsanlagen und die Optimierung des Niederschlagswassers auf landwirtschaftlichen Flächen. Ebenfalls durchgeführt wurden diverse Geländemodellierungen zur besseren Wasserführung sowie Anpassungen an der Niederschlagsentwässerung von Garagen.
Darüber hinaus wurden gezielte Maßnahmen zur Verhinderung des Starkregeneintritts in öffentliche Sportstätten umgesetzt. Auch die Anpassung und Optimierung von Misch- und Regenwasserkanälen gehörte zu den wichtigen Aufgaben. Hinzu kamen der Aushub und die Pflege von Gräben zur Wasserableitung, Anpassungen des Regenwasserverlaufs auf Straßen und Wegen, Renaturierungen von Fließgewässern sowie spezifische Hochwasserschutzmaßnahmen in sensiblen Bereichen.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Zusammenarbeit mit Enervie zum Schutz von Glinge und Rönkhausen im Zusammenhang mit dem Pumpspeicherkraftwerk in Finnentrop-Rönkhausen.
Geplante Maßnahmen
Die Arbeit am Starkregenrisikomanagement ist nicht abgeschlossen, sondern wird fortlaufend weiterentwickelt. Für die kommenden Jahre sind unter anderem Kanalarbeiten und Anpassungen in verschiedenen Straßenzügen vorgesehen. Außerdem sollen im Rahmen von Straßenunterhaltungsmaßnahmen punktuell Bordsteine angehoben werden, um Abflusswege gezielt zu beeinflussen.
Weitere geplante Maßnahmen sind die Umlenkung des Niederschlagsabflusses von größeren versiegelten Flächen auf Grünflächen zur Versickerung, stellenweise Anpassungen von Geländern und Mauern an Fließgewässern sowie Renaturierungsmaßnahmen an Gewässermündungen. Auch die Anschaffung mobiler Hochwasserschutzsysteme ist vorgesehen. Zusätzlich soll die Gewässerunterhaltung in Zusammenarbeit mit dem Ruhrverband weiter intensiviert werden.
Maßnahmen zur Gewässerunterhaltung
Zur Gewässerunterhaltung gehören bereits heute sowohl maschinelle als auch manuelle Sedimenträumungen. Hinzu kommen der Abriss, der Neubau und die Reparatur von Ufermauern. Ebenso werden Gehölzrückschnitte durchgeführt, eine Wehranlage und eine alte Fußgängerbrücke rückgebaut, ein Bach von großem Wurzelwerk geräumt sowie Sediment in weiteren Bachbereichen entfernt. Kleinere Maßnahmen werden darüber hinaus nach Gewässerbegehungen in enger Absprache mit dem Ruhrverband umgesetzt.
Gemeinsam vorbereitet
Mit diesem Zusammenspiel aus Analyse, Planung, Umsetzung und Zusammenarbeit verfolgt die Gemeinde Finnentrop das Ziel, die Risiken und Schäden durch Starkregen nachhaltig zu verringern. Starkregenrisikomanagement ist dabei nicht nur eine technische Aufgabe, sondern ein langfristiger Bestandteil kommunaler Vorsorge und Verantwortung.
Informations- und Warnsysteme
Ein effektives Krisenmanagement bei Starkregenereignissen basiert maßgeblich auf der frühzeitigen Warnung der Bevölkerung. Es ist daher sinnvoll, Warnsysteme zu nutzen, um sich auf ein bevorstehendes Ereignis vorzubereiten und rechtzeitig Vorsorgemaßnahmen ergreifen zu können.
Es gibt verschiedene kostenlose und zuverlässige Quellen für Unwetterwarnungen:
- NINA-Warn-App: App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).
- KATWARN: Warnsystem des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS).
- WarnWetter-App: Des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit detaillierten Wetter- und Unwetterinformationen.
- Lokale Radio- und Fernsehsender sowie Internetportale.
Verhalten während eines Starkregenereignisses
Die Sicherheit hat oberste Priorität. Bleiben Sie über die aktuelle Unwetterlage und angekündigte Warnungen informiert und halten Sie sich möglichst in geschlossenen, sicheren Räumen auf. Verlassen Sie Ihr Zuhause nur, wenn es unbedingt notwendig ist.
Fahren oder gehen Sie nicht durch überflutete Gebiete, insbesondere nicht durch Unterführungen. Die Wassertiefe ist oft schwer einzuschätzen, und es besteht ein erhebliches Verletzungsrisiko. Halten Sie außerdem Abstand zu Bächen und Flüssen, da diese schnell anschwellen können.
Betreten Sie keine überfluteten Keller oder Tiefgaragen. Es besteht Lebensgefahr durch Stromschläge oder durch Sogwirkungen von hochgedrückten Schachtabdeckungen. Nutzen Sie bei Wassereintritt keine Fahrstühle, die in tiefere Etagen führen könnten, und begeben Sie sich stattdessen in höher gelegene Stockwerke.
Schalten Sie elektronische Geräte aus und ziehen Sie die Stecker aus den Steckdosen, um die Gefahr von Stromschlägen bei Wasserkontakt zu minimieren. Vermeiden Sie außerdem den Kontakt mit Wasser, da es durch starke Niederschläge Schmutz und Schadstoffe enthalten kann.
Verhalten nach einem Starkregenereignis
Nach dem Abklingen des Starkregens sind einige grundlegende Schritte wichtig. Betreten Sie keine unbekannten, überfluteten Bereiche, da sich dort gefährliche Gegenstände oder Stromkabel verbergen können.
Machen Sie eine Bestandsaufnahme der Schäden und fotografieren Sie diese für Ihre Versicherung. Elektrische Geräte sollten nur dann wieder in Betrieb genommen werden, wenn sie nachweislich nicht feucht geworden sind.
Bei Unwetterereignissen kann die Feuerwehr nicht jede Einsatzstelle sofort bedienen, insbesondere wenn Wasser im Keller eigenständig abfließt oder gefahrlos mit eigenen Mitteln beseitigt werden kann. Beginnen Sie mit Abpumparbeiten in Kellern erst, wenn Sie sicher sind, dass der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist, um Schäden an der Bodenwanne des Hauses zu vermeiden.
Lüften Sie betroffene Räume nach der Wasserbeseitigung ausgiebig und nutzen Sie gegebenenfalls Trocknungsgeräte, um Feuchtigkeit zu reduzieren und Schimmelbildung zu vermeiden. Räumen Sie Wasserreste und Schlamm schnellstmöglich aus dem Haus. Entsorgen Sie Schlamm nicht über die Kanalisation, sondern lagern Sie ihn bis zur fachgerechten Entsorgung an einem geschützten Ort.
Verzehren Sie keine Lebensmittel, die mit Hochwasser in Kontakt gekommen sind. Helfen Sie, wenn möglich, auch Nachbarn und anderen Bedürftigen, insbesondere älteren Menschen.
Rechtliche Grundlagen und Eigenverantwortung
Allgemeine Sorgfaltspflichten nach dem Wasserhaushaltsgesetz
Das Wasserhaushaltsgesetz legt in § 5 allgemeine Sorgfaltspflichten fest, die für jeden gelten, der durch Hochwasser und Starkregen betroffen sein kann. Jede Person ist im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen. Dazu gehört insbesondere, die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte anzupassen.
Das bedeutet, dass Grundstückseigentümer eine aktive Rolle beim Schutz ihrer Immobilien spielen müssen und nicht allein auf öffentliche Maßnahmen vertrauen können. Zudem ist jeder verpflichtet, nachteilige Veränderungen der Gewässereigenschaften zu vermeiden, sparsam mit Wasser umzugehen, die Leistungsfähigkeit des Wasserhaushalts zu erhalten und eine Vergrößerung oder Beschleunigung des Wasserabflusses zu vermeiden.
Begrenzte Leistungsfähigkeit der öffentlichen Infrastruktur
Es ist wichtig zu verstehen, dass das öffentliche Kanalnetz aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht so dimensioniert werden kann, dass es alle auftretenden, seltenen oder extremen Starkregenereignisse vollständig ableitet. Bei sehr großen Niederschlagsmengen kann ein Teil des Wassers gar nicht erst in den Kanal gelangen, sondern fließt oberflächlich ab.
Kommunale Informationsvorsorge
Die Gemeinde Finnentrop betrachtet die Informationsvorsorge als ein zentrales Element ihres Handlungskonzepts im Rahmen des Hochwasser- und Starkregenrisikomanagements. Ziel ist es, die Gefahrenlage einfach und verständlich zu kommunizieren und Informationen bereitzustellen, wie mit den daraus resultierenden Gefährdungen umzugehen ist.
Pflicht zur Rückstausicherung
Gemäß der Abwasserbeseitigungssatzung ist jeder Grundstückseigentümer verpflichtet, sein Eigentum gegen Rückstau aus dem öffentlichen Kanalnetz zu schützen. Das Nichtbeachten dieser Pflicht oder eine mangelnde Wartung der Rückstausicherung kann im Schadensfall zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.
Gemeinsam stark
Durch ein Zusammenspiel aus kommunalen Maßnahmen, persönlicher Vorsorge und der Nutzung von Informationsangeboten können wir gemeinsam dazu beitragen, die Risiken und Schäden durch Starkregen in unserer Gemeinde zu minimieren.
Weitere Informationen
Für eine umfassende und individuelle Vorsorge stehen Ihnen zahlreiche externe Informationsquellen und Beratungsangebote zur Verfügung. Die folgenden Anlaufstellen helfen Ihnen bei der Einschätzung von Risiken, bei Fragen zur Vorsorge und beim richtigen Verhalten im Zusammenhang mit Starkregen und Hochwasser.
Gewässerunterhaltung
Bei Fragen und Anregungen zur Gewässerunterhaltung im Gemeindegebiet können Sie sich gerne an den Ruhrverband wenden: gewaesserunterhaltungfinnentrop@ruhrverband.de
Beratungs- und Informationsangebote
Verbraucherzentrale NRW: Die Verbraucherzentrale NRW bietet individuelle Beratungen zur Starkregenvorsorge, zu Versicherungen und zum Umgang mit Rückstau und Überflutungen an. www.verbraucherzentrale.nrw/unwetter
Hochwasser-Pass
Der Hochwasser-Pass ist ein nützliches Dokument zur Bewertung der Hochwasser- und Starkregengefährdung Ihrer Immobilie. Über den Quick-Check auf der Webseite des Hochwasser-Passes können Sie eine erste schnelle Einschätzung der Überflutungsgefährdung erhalten und gezielte Informationen zur Eigenvorsorge finden. Bei Bedarf vermittelt der Hochwasser-Pass auch den Kontakt zu qualifizierten Sachkundigen, die eine persönliche Beratung und maßgeschneiderte Maßnahmenempfehlungen für Ihr Haus anbieten können. www.hochwasser-pass.info
Fachleitfäden und offizielle Grundlagen
- BBK
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bietet Informationsmaterialien, Broschüren und Checklisten zur Notfallvorsorge und zum richtigen Verhalten in Notsituationen. Über die Warn-App NINA erhalten Sie Gefahrenmeldungen direkt auf Ihr Smartphone. www.bbk.bund.de
- BMWSB
Die Hochwasserschutzfibel des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen enthält detaillierte Hinweise zur Bauvorsorge und privaten Hochwasservorsorge. www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/raumordnung/hochwasserschutzfibel.html
- BBSR
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat den Leitfaden „Starkregen – Objektschutz und bauliche Vorsorge“ erstellt. Er zeigt Hintergründe zu Starkregenereignissen, Gefahren und Schutzmaßnahmen und enthält auch eine Checkliste zur Verhaltensvorsorge. www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/sonderveroeffentlichungen/2018/leitfaden-starkregen.html
Karten und Wetterwarnungen
- Gefahrenkarten
Hochwassergefahrenkarten und Starkregengefahrenkarten helfen dabei, die Gefährdung am eigenen Standort besser einzuschätzen. Für Nordrhein-Westfalen sind diese Karten unter folgenden Adressen einsehbar: www.hochwasserkarten.nrw.de www.klimaatlas.nrw.de/klima-nrw-pluskarte
- Hochwasser App
Prüfen Sie das Überflutungsrisiko für Ihr Gebäude in NRW: Nutzen Sie Gefahrenkarten des Landes und erhalten Sie nach einem kurzen Fragebogen Ihre individuelle Bewertung mit praktischen Schutztipps. https://www.hochwasser-app.nrw
- Deutscher Wetterdienst
Beim Deutschen Wetterdienst finden Sie aktuelle Informationen zu Wetterlagen und Warnungen.
www.dwd.de/DE/wetter/vorhersage_aktuell/nordrhein_westfalen/vhs_nrw_node.html
