Eine 28,5 Tonnen schwere Stahlbrücke, die ins Siegerland transportiert wird. Sicher ist: Es wird eng.
Es wird eng am Dienstagabend in den Kreisverkehren in Marienheide-Rodt. Gegen 22 Uhr – so der Plan – startet ein Schwertransport, der auch für die Firma Schieber Stahl- und Metallbau etwas Besonderes ist: 34 Meter lang, 3,40 Meter breit und 28,5 Tonnen schwer ist die Stahlkonstruktion einer Fahrradbrücke, die in der Firma gefertigt wurde und heute zur Beschichtung nach Niederfischbach bei Siegen gebracht wird und bald im sauerländischen Finnentrop über die Lenne führen soll.
„Es ist die größte und längste Stahlkonstruktion, die wir bisher in einem Stück gebaut haben“, erklärt Michael Schieber (44), Enkel des Firmengründers Paul Schieber, der das Unternehmen 1951 als Huf- und Wagenschmiede gegründet hat. Heute ist Michael Schieber Technischer Leiter, und die Firma – ein Familienunternehmen mit gerade einmal 27 Mitarbeitern, davon fünf Azubis – hat sich auf Stahlkonstruktionen wie die der Fahrradbrücke spezialisiert.
Schwertransporte wie der heute sind – wenn auch meist etwas kleiner – bei der Firma Schieber an der Tagesordnung. „Den nächsten Auftrag, eine weitere Brücke für Finnentrop, haben wir schon. Die ist sogar 67 Meter lang und 80 Tonnen schwer, wird aber in drei Teilen gefertigt“, erzählt Geschäftsführer Michael Soose (37), der die Firma 2014 übernommen hat.
Ein weiteres Standbein ist der Stahlwasserbau. Dabei konkurriert die Firma nach eigenen Angaben in Deutschland nur mit größeren Firmen im Osten, an der Küste und in Bayern. „Unsere öffentlichen Auftraggeber sind vor allem Wasserverbände oder sogar die Bundesrepublik Deutschland“, erklären Soose und Schieber. Ein aktuelles Projekt ist zum Beispiel der Verschlussdeckel für den Rursee in der Eifel. Damit kann der Abfluss der Talsperre für Reparaturarbeiten verschlossen werden.
„Der alte Deckel des Rursees, den wir als Anschauungsobjekt hier haben, stammt aus den 1930er Jahren“, erklärt Soose. Das Beispiel des Deckels zeigt auch die Schwierigkeit von Schwertransporten in Zeiten maroder Brücken. Zu den über 25 Tonnen Gewicht des Deckels kamen noch fast 23 Tonnen Lkw – zusammen 48 Tonnen. „Damals hatten wir Glück: Eine Woche, nachdem wir ihn über die A 4 hergebracht
haben, wurde die Brücke bei Engelskirchen für Transporte von über 44 Tonnen gesperrt“, berichtet Schieber. Welche Route der fertige Deckel im November auf dem Weg in die Eifel nehmen kann, weiß bei Schieber noch niemand.
Dabei ist der nächste, noch größere Auftrag längst unter Dach und Fach. Im Oktober beginnt in der Halle in Rodt die Fertigung von fünf Schleusen für die Mosel auf dem Gebiet des Wasserschifffahrtsamtes Trier in Deutschland und im benachbarten Luxemburg – Gesamtgewicht 430 Tonnen. 160 Verschlüsse und 60 Stützböcke müssen gebaut werden.
„Insgesamt haben wir bis zum nächsten Sommer Aufträge mit einem Volumen von drei Millionen Euro. Wir sind quasi ausgebucht“, sagt Geschäftsführer Soose. Das sei zuletzt nicht immer so gewesen, erinnert sich Schieber: „Das letzte Mal, dass es so gut lief, war 2009 – vor der Wirtschaftskrise.“ Auf absehbare Zeit wird es also noch eine ganze Reihe von Schwertransporten von Rodt aus geben – auch wenn es dann nicht ganz so eng werden dürfte wie heute beim Rangieren der Fahrradbrücke.
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Oberberg - 24.08.2015 Von FRANK KLEMMER